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Wo kann man digitale Werbung schalten? Die Plattformen im Überblick
Vor zehn Jahren war die Frage schnell beantwortet: Google und Facebook. Heute verkaufen Suchmaschinen, soziale Netzwerke, Streamingdienste, Onlinehändler und seit diesem Sommer auch ChatGPT Werbeplätze. Diese Seite sortiert, was es gibt und wofür es taugt.
Stand der Angaben: September 2026. Gerade bei Werbung in KI-Antworten ändert sich das im Quartalsrhythmus.

Der Unterschied, der über alles entscheidet
Bevor es um einzelne Plattformen geht, eine Unterscheidung, die Ihnen später viel Geld spart.
Bei der einen Sorte Werbung sucht jemand aktiv nach etwas, und Sie erscheinen in genau diesem Moment. Der Bedarf ist schon da, Sie greifen ihn ab. Das ist Suchwerbung, und deshalb ist sie vergleichsweise teuer pro Klick und vergleichsweise schnell in der Wirkung.
Bei der anderen Sorte scrollt jemand durch einen Feed, hört Musik oder liest in einem Forum mit. Niemand hat nach Ihnen gefragt. Sie unterbrechen und müssen das Interesse erst herstellen. Die Klicks sind billiger, die Abschlussquote ist niedriger, und der Effekt zeigt sich später.
Wer beides in dieselbe Tabelle schreibt und nach Klickpreis vergleicht, zieht falsche Schlüsse. Feed-Werbung ist nicht besser, weil der Klick weniger kostet. Sie kauft etwas anderes ein.
Suchen und fragen: Werbung mit Absicht
Google Ads. Die Suchanzeigen über den Treffern sind nach wie vor der direkteste Weg zu jemandem, der gerade etwas braucht. Dazu kommen Shopping-Anzeigen mit Produktbild und Preis, Display-Flächen auf fremden Websites, Anzeigen auf Maps und die automatisierte Sammelform Performance Max. Wie die Auktion funktioniert und was ein Klick wirklich kostet, steht ausführlich unter Was ist SEA.
Microsoft Advertising (Bing). Kleinere Reichweite, aber oft günstigere Klicks und ein Publikum, das im Schnitt älter ist und häufiger vom Firmenrechner aus sucht. In manchen B2B-Feldern lohnt sich das Konto allein deshalb.
ChatGPT. Seit dem 24. August 2026 sehen auch Nutzer in Deutschland, Österreich und der Schweiz Anzeigen in ChatGPT, seit Ende August lassen sich Kampagnen über einen eigenen Anzeigenmanager selbst anlegen. Wichtig für die Einordnung: Anzeigen bekommen nur eingeloggte Erwachsene in den kostenlosen Tarifen und in ChatGPT Go. Wer Plus, Pro oder einen Geschäftstarif nutzt, sieht keine. In Europa läuft die Ausspielung zunächst ohne personalisierte Profile, und sensible Felder wie Gesundheit und Politik bleiben ausgespart.
Werbung in Googles KI-Antworten. Anzeigen innerhalb der AI Overviews laufen bisher nur in gut einem Dutzend überwiegend englischsprachiger Märkte. In Deutschland stehen die Anzeigen weiterhin über und unter der KI-Antwort, nicht darin. Für den AI Mode hat Google weitere Formate angekündigt, ein Termin für Europa steht nicht fest.
Perplexity. Die Antwortmaschine hat den Werbeverkauf im Februar 2026 wieder eingestellt und finanziert sich über Abonnements. Dort ist also nichts zu buchen – sichtbar wird man da nur über die Inhalte selbst, worum es bei GEO geht.
Feeds und Communitys: Werbung ohne Suchanfrage
Meta, also Instagram und Facebook. Die größte Reichweite im Konsumentengeschäft, mit Abstand die günstigsten Kontaktpreise und ein Werbekonto, das jeder selbst bedienen kann. Stark, wenn das Produkt sich zeigen lässt und die Zielgruppe breit ist. Schwach, wenn Sie zwölf sehr spezielle Entscheider in Industriebetrieben suchen.
LinkedIn. Die einzige Plattform, auf der Sie sauber nach Position, Unternehmensgröße und Branche aussteuern können. Das kostet auch entsprechend: Klickpreise im zweistelligen Bereich sind normal. Rechnet sich, wenn ein einziger gewonnener Kunde vierstellig oder mehr wert ist. Für den Handwerksbetrieb um die Ecke ist es das falsche Werkzeug.
TikTok. Schnell, jung, videogetrieben. Werbung funktioniert hier nur, wenn sie aussieht wie der übrige Inhalt. Wer einen Imagefilm hochlädt, verbrennt Budget. Wer regelmäßig kurze, ehrliche Videos produziert, bekommt Reichweite zu Preisen, die anderswo nicht möglich sind.
Pinterest. Wird regelmäßig unterschätzt. Die Plattform ist näher an einer Suchmaschine als an einem sozialen Netzwerk: Menschen planen dort Hochzeiten, Umbauten, Gärten und Reisen, oft Monate im Voraus. Für Einrichtung, Handwerk, Gastronomie, Tourismus und alles Visuelle mit Vorlaufzeit ist das ein guter Ort.
Reddit. Themenforen mit sehr aktiven Communitys, in denen ehrlich über Produkte geredet wird. Werbung lässt sich gezielt in einzelne Foren buchen, was für Nischen wertvoll ist. Der Ton ist rau, und Werbung, die sich verstellt, fliegt auf. Als Nebeneffekt: Reddit-Beiträge werden von KI-Systemen häufig zitiert, was die Plattform auch jenseits der bezahlten Flächen interessant macht.
X, Snapchat, Twitch und andere. Gibt es alle, buchbar sind sie auch. Für die meisten mittelständischen Werbetreibenden lohnt der Aufwand nicht, solange die großen Kanäle noch nicht ausgereizt sind.
Bewegtbild und Ton
YouTube. Läuft über das Google-Konto und ist der Kanal, in dem sich Erklärungsbedürftiges tatsächlich erklären lässt. Die überspringbaren Anzeigen vor Videos kosten erst dann etwas, wenn jemand dranbleibt. Die ersten fünf Sekunden entscheiden alles.
Spotify und Podcasts. Audiowerbung erreicht Menschen beim Autofahren, Kochen, Laufen – in Situationen ohne Bildschirm. Aussteuern lässt sich nach Region, Alter und Hörsituation. Der Haken liegt auf der Hand: Es gibt keinen Klick, der Effekt ist schwerer nachzuweisen. Für regionale Bekanntheit ist das trotzdem eines der unterschätzten Mittel, zumal die Produktion eines dreißig Sekunden langen Spots überschaubar bleibt.
Connected TV. Werbung in Mediatheken und auf Smart-TVs ist inzwischen auch mit kleineren Budgets buchbar. Regionale Aussteuerung funktioniert, die Messbarkeit liegt zwischen Radio und Online.
Direkt am Regal: Handelswerbung
Amazon Ads. Wer auf Amazon verkauft, kommt an gesponserten Produktplätzen kaum vorbei. Die Absicht ist dort noch klarer als bei Google: Wer sucht, hat den Einkaufswagen schon in der Hand.
Ähnliche Flächen verkaufen inzwischen fast alle großen Händler, von Otto über Douglas bis zu den Lebensmittelketten. Der Sammelbegriff dafür ist Retail Media, und für Marken mit Handelsvertrieb ist das oft der ehrlichste Kanal überhaupt, weil sich Werbung und Abverkauf direkt gegenüberstehen.
Die Übersicht
| Plattform | Passt zu | Typische Formate |
|---|---|---|
| Google Suche | Akutem Bedarf, lokalen Dienstleistungen | Textanzeigen, Shopping, Maps |
| Microsoft Bing | B2B, älteren Zielgruppen | Textanzeigen, Shopping |
| ChatGPT | Frühen Fragen, Vergleichen, Beratung | Anzeigen in der Antwort |
| Meta | Konsumgütern, Gastronomie, Events | Bild, Video, Stories, Reels |
| B2B mit hohem Kundenwert | Feed-Anzeigen, Nachrichten | |
| TikTok | Jungen Zielgruppen, Produkten zum Zeigen | Kurzvideo |
| Einrichtung, Bau, Hochzeit, Reise | Bild und Video mit Link | |
| Nischen, Technik, Fachpublikum | Beiträge im Forum | |
| YouTube | Erklärungsbedürftigem | Video vor und im Inhalt |
| Spotify | Regionaler Bekanntheit | Audiospot, Anzeige in der App |
| Amazon und Handel | Produkten mit Handelsvertrieb | Gesponserte Produkte |
Was wofür Sinn macht
Der lokale Dienstleister. Google Suche mit engem Umkreis, dazu ein gepflegtes Unternehmensprofil. Alles andere kommt später. Ein Dachdecker wird nicht auf Instagram gefunden, sondern wenn es durchs Dach tropft.
Der Fachbetrieb im B2B. LinkedIn für die Ansprache der richtigen Rollen, Google und Bing für die Momente, in denen konkret gesucht wird. Rechnen Sie damit, dass zwischen erstem Kontakt und Auftrag Monate liegen, und messen Sie entsprechend.
Der Onlinehandel. Shopping-Anzeigen und Handelswerbung zuerst, weil dort direkt verkauft wird. Meta und Pinterest danach für den Bedarf, der noch nicht formuliert ist.
Die Eröffnung, das Fest, die Saison. Meta im engen Umkreis, dazu Audio. Beides ist schnell aufgesetzt und erreicht in wenigen Tagen viele Menschen in der Region.
Die erklärungsbedürftige Leistung. YouTube für die Erklärung, Suchwerbung für den Moment der Entscheidung, Inhalte für alles dazwischen.
Was vor der ersten Anzeige geklärt sein sollte
- Wohin führt der Klick? Auf eine Seite, die zur Anzeige passt, nicht auf die Startseite. Dieser eine Punkt entscheidet mehr über das Ergebnis als die Wahl der Plattform.
- Wird gemessen? Ohne Conversion-Messung und ein sauber eingerichtetes Einwilligungsbanner wissen Sie am Ende, was Sie ausgegeben haben, aber nicht, was dabei herauskam.
- Reicht das Budget für eine Aussage? Jede Plattform braucht eine Lernphase. Wer zu dünn startet und nach zwei Wochen abbricht, zahlt Lehrgeld, ohne zu lernen.
- Wer kümmert sich? Kampagnen werden nicht von allein besser. Sie werden von allein schlechter.
- Gibt es die Motive? Für Video und Audio brauchen Sie Material. Das ist kein Nebenbei-Punkt, sondern oft der eigentliche Engpass.
Häufige Fragen
Mit welcher Plattform fange ich an?
Mit der, auf der Ihr Bedarf schon gesucht wird. Für die allermeisten Unternehmen heißt das Google, und zwar so lange, bis dieser Kanal ausgereizt ist. Erst danach lohnt es sich, Nachfrage zu wecken, wo noch keine ist. Die Reihenfolge sparen sich viele und wundern sich über teure Reichweite ohne Anfragen.
Lohnt sich Werbung in ChatGPT jetzt schon?
Für einen Test mit klar begrenztem Budget: ja, wenn Ihre Kunden dort ohnehin Fragen stellen. Für Verlass: noch nicht. Die Flächen sind neu, das Publikum ist auf die kostenlosen Tarife beschränkt, und belastbare Erfahrungswerte aus dem deutschsprachigen Raum gibt es erst seit wenigen Wochen. Wer dort Budget einsetzt, sollte das als Lernbudget verbuchen, nicht als Ersatz für einen funktionierenden Kanal.
Wie viel Budget brauche ich?
Das hängt weniger an der Plattform als an Ihrem Wettbewerb und daran, was Ihnen eine Anfrage wert ist. Die Rechnung geht rückwärts: Was bringt ein Kunde, wie viele Anfragen werden zu Kunden, wie viele Klicks braucht es für eine Anfrage. Erst daraus ergibt sich, was ein Klick kosten darf. Diese Rechnung steht mit Beispielen unter Was ist SEA.
Brauche ich für jede Plattform eigene Motive?
Ja. Ein Motiv, das auf LinkedIn funktioniert, wirkt auf TikTok wie ein Fremdkörper, und umgekehrt. Das ist einer der Gründe, warum vier Kanäle gleichzeitig selten eine gute Idee sind, wenn die Produktion an einer Person hängt.
Ersetzt Werbung die Suchmaschinenoptimierung?
Nein, sie überbrückt die Zeit, bis Optimierung wirkt. Anzeigen sind sofort da und sofort weg, sobald Sie zahlen oder nicht mehr zahlen. Wie sich beides zueinander verhält, steht im Vergleich von SEO, SEA und GEO.
Übernehmen Sie die Betreuung von Kampagnen?
Ich plane Kanäle und Budgets als Teil der Marketing- und Mediaplanung und richte Kampagnen ein. Die tägliche Betreuung über Monate hinweg ist nicht mein Geschäft – dafür gibt es spezialisierte Dienstleister, und ich sage Ihnen gern, worauf Sie bei deren Auswahl achten sollten.
Wie es weitergeht
Welche zwei Plattformen für Sie in Frage kommen, lässt sich meist in einem Gespräch klären. Häufig ist die hilfreichste Erkenntnis, welche acht Sie sich sparen können.
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